Für Adam Swaczyna war die Entscheidung längst gefallen. Obwohl sich andere Vereine nach ihm erkundigten, stand für den Cheftrainer des VfB Friedrichshafen nie ernsthaft zur Debatte, den Bodensee vorzeitig wieder zu verlassen. Stattdessen verlängerte der Pole seinen ursprünglich bis 2027 laufenden Vertrag gleich um drei weitere Jahre bis 2029.
„Auch wenn andere Teams angefragt haben, war ich mir immer sicher, dass meine Aufgabe in Friedrichshafen noch nicht erledigt ist. Ich möchte Titel gewinnen und dem Club etwas von dem Vertrauen zurückgeben, das ich von Anfang an gespürt habe“, erklärt Swaczyna.
Es sind Worte, die viel über den 37-Jährigen verraten. Denn obwohl Friedrichshafen in seiner zweiten Saison unter Swaczyna erstmals seit Jahren wieder ein Pokalfinale erreichte, denkt der Trainer nicht an den größten Erfolg seiner bisherigen Amtszeit. Sondern an die Niederlage. „Ich hatte das Gefühl, dass ich die Leute enttäuscht hatte.“, sagt der Pole heute.
Friedrichshafen musste sich neu erfinden
Swaczyna weiß, dass der deutsche Volleyball heute nicht mehr mit der Dominanz vergangener Jahrzehnte vergleichbar ist. „Es ist nicht mehr so wie vor 20 Jahren, als Friedrichshafen alles überragt hat. Die Konkurrenz ist größer geworden, die Budgets der anderen Clubs ebenfalls.“
Diese Erkenntnis habe auch die Transferstrategie verändert. „Wir können keine absoluten Topspieler verpflichten, aber wir können unser Bestes geben, sie zu solchen zu machen. Das macht mich sehr glücklich.“
Der neue Kader zeigt die Handschrift des Trainers
Für die kommende Saison setzt der VfB jedoch nicht mehr ausschließlich auf Entwicklungspotenzial. „Das ist das erste Mal, dass uns das gelingt, seitdem ich hier bin. Die Spieler haben mitbekommen, was wir hier machen. Man kann sagen, wir haben uns an die Realität angepasst.“
Symbolisch dafür steht die Verpflichtung des polnischen National-Liberos Mateusz Czunkiewicz vom Top-Club ZAKSA Kędzierzyn-Koźle. „Mateusz ist ein Leader und das tut einer Mannschaft mit vielen jungen Spielern sehr gut“, sagt Swaczyna.

Auch sonst hat sich der Kader deutlich verändert. Auf der Zuspielposition ersetzen Joris Berkhout (zuvor Düren) und Spaniens Nationalspieler Rubén Lorente Camacho das bisherige Duo Aleksa Batak und Daniel Habermaas. Während Berkhout als Favorit auf die Rolle des ersten Zuspielers gilt, dürfte Camacho den Konkurrenzkampf deutlich offener gestalten als zuletzt.
Mit Pierre Toledo konnte der VfB zudem den Abgang von Kyle Hobus auffangen (nach Giesen). Der Franzose kommt nach vier Jahren in Chaumont an den Bodensee. Im Mittelblock verpflichtet Friedrichshafen mit Alexis Wilson Velázquez laut eigener Aussage „eines der größten Talente des kubanischen Volleyballs“, während Oskar Berg Mikkelsen mit seinen 2,17 Metern zum wohl größten Spieler der Bundesliga werden dürfte. Hinzu kommen Außenangreifer Sam Flowerday sowie der Argentinier Germán Gómez.
Dem gegenüber stehen allerdings auch namhafte Abgänge. Leistungsträger Louis Kunstmann wechselte zum deutschen Meister nach Berlin, Vojin Cacic verließ den Verein ebenso wie Tim Peter, der künftig für AS Cannes aufläuft. Die Zukunft von Libero Lenny Graven ist bislang offen.
Immerhin bleiben mit Gustavo Maciel, Parker Van Buren, Simon Kohn und Jonas van Huizen mehrere wichtige Stützen erhalten. Zudem wird noch ein weiterer Mittelblocker erwartet.
Auffällig ist außerdem, dass Friedrichshafen gleich fünf Neuzugänge mit Zwei-Jahres-Verträgen beziehungsweise 1+1-Modellen ausstattete. Bislang waren eher Einjahresverträge üblich.
Hohe Ansprüche bleiben
Nach zwei Jahren Aufbauarbeit ist für Adam Swaczyna jedenfalls klar: Sein Projekt in Friedrichshafen ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Vertragsverlängerung bis 2029 ist weniger eine Belohnung für das Erreichte als vielmehr ein Bekenntnis zu dem, was der Pole am Bodensee noch erreichen möchte. Und nach dem verlorenen Pokalfinale dürfte eines feststehen: Das nächste Mal will Swaczyna nicht nur um einen Titel spielen – sondern ihn auch gewinnen.
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