Was für ein Auftakt in den FIPAV Cup Men Elite: Die deutsche Männer-Nationalmannschaft hat gegen Weltmeister Italien einen historischen ersten Satz gespielt, musste sich nach mehr als dreieinhalb Stunden aber dennoch geschlagen geben. Das Team von Bundestrainer Massimo Botti unterlag in Reggio Calabria mit 2:3 (66:64, 22:25, 25:23, 22:25, 12:15).
Mehr als 4.400 Zuschauer im PalaCalafiore erlebten ein Länderspiel, das vor allem aufgrund seines ersten Satzes in die Volleyball-Geschichtsbücher eingehen wird. 89 Minuten dauerte der Durchgang, ehe Tobias Brand mit dem 66:64 den Schlusspunkt setzte. Noch nie zuvor hatte ein Satz in einem offiziellen Länderspiel so lange gedauert.
Deutschland startete ohne etatmäßigen Diagonalangreifer. Erik Röhrs übernahm diese Position und half teilweise auch in der Annahme aus. Neben ihm standen Johannes Tille, Tobias Krick, Anton Brehme, Moritz Karlitzek, Tobias Brand und Libero Ruben Schott auf dem Feld. Italien begann unterdessen ohne Simone Giannelli und Alessandro Michieletto.
Italien erwischte den besseren Start und führte zunächst mit 7:12. Deutschland kämpfte sich jedoch zurück und glich beim 18:18 aus. Beim 24:22 hatte die DVV-Auswahl anschließend die ersten beiden Satzbälle, doch Italien wehrte beide ab.
Danach entwickelte sich ein beispielloses Hin und Her. Insgesamt wehrten beide Teams 43 Satzbälle ab. Erst beim 66:64 war es schließlich soweit: Brand verwandelte den 15. deutschen Satzball und beendete den 89-minütigen Marathon. Röhrs zeigte anschließend stolz auf sein Trikot, das passend zum historischen Spielstand die Nummer 66 zierte.
„Das ist das längste Spiel, das ich je gespielt habe. Ich glaube, wir haben alle noch nie so einen ersten Satz erlebt, den wir sogar gewonnen haben. Das war unfassbar“, sagte Brand.
Der Satz stellte einen neuen Rekord für ein offizielles Länderspiel auf. Erst im Juni hatte Argentinien bei der Volleyball Nations League gegen Polen einen Satz mit 50:48 nach 62 Minuten gewonnen.
Deutschland fordert den Weltmeister
Nach dem Mammutsatz hätte die Partie leicht kippen können. Deutschland blieb jedoch auch im zweiten Durchgang dran. Theo Mohwinkel kam für Karlitzek, Röhrs blieb auf Diagonal. Italien setzte sich zunächst ab, Deutschland glich aber nach einem Ass von Tille zum 7:8 aus.

Bis zum 16:16 blieb es eng. Dann musste Italiens Zuspieler Paolo Sbertoli nach Krämpfen vom Feld, Giannelli übernahm. Italien nutzte die Schlussphase besser und gewann mit 25:22 zum 1:1.
Deutschland antwortete im dritten Satz. Die DVV-Auswahl führte zunächst mit 13:11, ehe Italien beim 17:17 wieder ausglich. In der Schlussphase ging Deutschland erneut mit 23:22 in Führung und machte beim 25:23 den Satzgewinn perfekt.
Damit fehlte Deutschland gegen den Weltmeister nur noch ein Satz zum Sieg. Im vierten Durchgang übernahm Italien jedoch zunehmend die Kontrolle. Die Gastgeber führten früh mit 6:3 und behaupteten ihren Vorsprung. Deutschland blieb zwar in Schlagdistanz, konnte den Satz aber nicht mehr drehen. Italien gewann mit 25:22 und erzwang den Tiebreak.
Dort ging Deutschland zunächst sogar mit 4:3 in Führung. Italien reagierte mit einer Auszeit und übernahm anschließend wieder das Kommando. Ein Doppel-Ass von Luca Porro brachte die Gastgeber mit 7:5 nach vorne. Deutschland kämpfte weiter, musste sich aber schließlich mit 12:15 geschlagen geben.
Erfolgreichster deutscher Punktesammler war Röhrs mit 20 Punkten. Krick kam auf 19 Zähler, Brand erzielte 18 und Brehme 16 Punkte.
Für Tille war vor allem der gewonnene Auftaktsatz wichtig:
„Wenn wir den verlieren, kann es auch gut sein, dass wir hier 0:3 nach Hause gehen. Mental und körperlich war man irgendwann ziemlich fertig. Wir haben deshalb versucht, das über Freude und Lockerheit durchzubringen.“
Kaum Zeit zur Regeneration
Viel Zeit zur Erholung bleibt der deutschen Mannschaft nicht. Erst gegen 1:30 Uhr ging es nach dem Spiel zum Essen, anschließend ins Bett. Bereits am Donnerstag um 20 Uhr wartet Kuba als nächster Gegner.
„Vier Stunden sind sehr, sehr viel“, sagte Botti. „Ich habe noch nie einen Satz wie diesen erlebt. Es war verrückt – eigentlich haben wir heute ein ganzes Spiel in einem Satz gespielt.“ Nun müsse die Mannschaft vor allem ihre Kräfte zurückgewinnen: „Ich mache mir vor allem Gedanken darüber, wie wir uns für das morgige Spiel regenerieren können.“
Nach der Partie gegen Kuba reist Deutschland am Freitag weiter nach Messina. Dort steht am Samstag um 20 Uhr das letzte Spiel des FIPAV Cup Men Elite gegen Brasilien an. Das Turnier dient der Vorbereitung auf die Europameisterschaft, die vom 9. bis 26. September in Bulgarien, Finnland, Italien und Rumänien stattfindet.



