16. Juni 2024
Beachvolleyball

Märchen geht weiter: Schürholz gewinnt auch in Bremen mit Interimspartnerin van de Velde

Von Jonathan Rott

Es war mächtig was geboten beim dritten Stop der German Beach Tour in Bremen, denn nicht nur das Wetter zeigte sich von der besten Seite, sondern auch auf den Rängen und im Sand wurde abgeliefert. Dass dabei Überraschungs-Sieger auf dem Treppchen ganz oben stehen, die wohl nur die wenigsten auf dem Zettel haben, scheint dabei zum wiederkehrenden Thema zu werden.

Das Frauen-Turnier in Bremen

Insbesondere das Teilnehmerfeld bei den Frauen war an diesem Wochenende „stacked“. Gleich zwei Wildcards wurden an internationale Top-Teams vergeben. Bei dem einen Team handelt es sich um die mehrfachen österreichischen Meisterinnen Plesiutschnig/Schützenhöfer, die sich nach Verletzungspause von Lena Plesiutschnig noch Hoffnungen auf eine Olympia-Qualifikation über den bevorstehenden Nations Cup machen. Das zweite Team aus Brasilien bildete sich aus Andressa, immerhin U19-Weltmeisterin, mit ihrer neuen Partnerin Thainara.

Während die Österreicherinnen Plesiutschnig/Schützenhöfer direkt im Hauptfeld gesetzt waren, mussten die Brasilianerinnen Andressa/Thainara sogar durch die Quali.

Dort waren die beiden der große Favorit und mussten gegen Sarnighausen/Schmitt richtig arbeiten, um sich überhaupt für das Hauptfeld zu qualifizieren. Mit einer Leistung, die noch einiges zu wünschen übrigließ, reichte es gerade so, um sich für das Hauptfeld zu qualifizieren und eine Enttäuschung zu verhindern. Im anderen Duell behielten Barber/Gernert die Oberhand gegen Leonie Klinke und Sarah Schneider, die nach fast zweijähriger Abstinenz auf die German Beach Tour zurückkehrte.

Ab Freitag ging es dann im Hauptfeld zur Sache und nur selten war ein 8er-Feld so ausgeglichen wie an diesem Wochenende. Einen klaren Favoriten gab es nicht und dort, wo man sich zu Tipps hinreißen ließ, wurde man aufs Glatteis geführt. Das folgte, dass in der ersten Runde die Teams gewannen, die in der Setzliste auf den Plätzen 5-8 geführt waren. Die Teams an 1-4 mussten also direkt in den Loser-Baum und am Freitagabend bereits gegen das Ausscheiden spielen.

Dort erwischte es mit Behlen/Schulz, die sich stärker werdenden Brasilianerinnen gegenüber fanden, und Paul/Schieder zwei Teams, die zum jetzigen Saisonzeitpunkt ihrer Vorjahres-Form noch etwas hinterherlaufen

Die ersten Halbfinal-Tickets sicherten sich dann Barber/Gernert, zum wiederholten Mal aus der Quali kommend, und Schürholz/van de Velde, die sich als Interims-Team zusammengetan haben, weil Janne Uhl zeitgleich bei der U22-EM im Einsatz war. Vor allen Dingen dem Interims-Team, dass aus zwei hauptamtlichen Abwehrspielerinnen bestand, wurde im Vorfeld ein solches Ergebnis, gerade aufgrund des starken Teilnehmerfeldes, nur bedingt zugetraut.

Über den zweiten Bildungsweg nutzten dann die Brasilianerinnen Andressa/Thainara ihre Chance auf das Halbfinale im Wildcard-Duell gegen Plesiutschnig/Schützenhöfer und bewiesen, dass es nur etwas Zeit brauchte, bis die beiden ihre Betriebs- und Wohlfühltemperatur erreichten. Im anderen Halbfinale gab es für Aulenbrock/Ferger die zweite deutliche Niederlage des Tages, die dadurch am Samstag in vier Sätzen nie über 10 Punkte erzielen konnten, nachdem sie Andressa/Thainara in der ersten Runde noch schlagen konnten. Mit Schneider/Walkenhorst wurde das Halbfinale somit vervollständigt.

Die brasilianische Beachvolleyballerin Andressa Cavalcanti in Aktion. Foto: Justus Stegemann

Dort konnten dann die Brasilianerinnen nach Satzverlust ihre Klasse gegen Barber/Gernert erneut aufblitzen lassen. Im Tiebreak ließen die beiden nichts mehr anbrennen und zogen ins Finale ein.

Im zweiten Halbfinale trafen Schneider/Walkenhorst und Schürholz/van de Velde aufeinander. Dabei konnten Schneider/Walkenhorst nur im ersten Satz Paroli bieten und mussten mit einem deutlichen zweiten Satz die Segel streichen.

Wenn man sich im Vorfeld des Tourstops auf Favoritinnen hätte festlegen müssen, wären es wohl Andressa/Thainara gewesen. Im Gegensatz dazu stand ihnen das Interims-Team Schürholz/van de Velde gegenüber, denen, trotz ihrer zweifelsohne vorhandenen individuellen Fähigkeiten, gerade aufgrund ihres Interims-Status keine großen Chancen beigemessen wurden. Doch der Turnierverlauf verdeutlichte, dass diese erdachte Ausgangslage vor dem Finale ganz und gar nicht mehr bestand.

Schürholz baut Serie mit Finale aus

Auf der Seite der Brasilianerinnen gelang zunächst alles, sodass dieser eine klare Angelegenheit war. Gerade als sich ein Gefühl der Aussichtslosigkeit entwickelte, kam es jedoch zum Momentum-Switch: Ein knapper Aufschlag der Brasilianerinnen konnte durch die Challenge-Bilder nicht aufgelöst werden und Schürholz/van de Velde schöpften neuen Mut. Sie kämpften sich in das Spiel zurück, sodass ein ergebnisoffener Kampf auf Augenhöhe entstand. Das deutsche Duo erzwang den Tiebreak und hatte auch dort den besseren Start, sodass sie mit einer komfortablen Führung in die Crunch-Time gingen. Doch dann begann das große Nervenflattern: Insgesamt vier Matchbälle, davon drei aus dem eigenen Sideout, konnten nicht verwertet werden, plötzlich stand es 14:14. Über den Umweg der Verlängerung und einen im Break erfolgreich verwandelten Matchball gelang es dann aber doch Kim van de Velde und Paula Schürholz das Spiel zu gewinnen.

Kim van de Velde kann somit ihren Titel aus dem Vorjahr in ihrer Heimatstadt Bremen verteidigen, für Paula Schürholz ist es der zweite aufeinanderfolgende Sieg bei einem Tourstop. Überhaupt hat sie alle ihrer neun Spiele bei der German Beach Tour in diesem Jahr gewonnen und ist somit noch ungeschlagen.

Das Männer-Turnier in Bremen

Im Männer-Feld wurden zwar keine internationalen Wildcards vergeben, trotzdem gab es einige spannende Konstellationen, die aber in erster Linie aufgrund von Verletzungen oder Parallel-Turnieren und daraus resultierenden Interims-Teams entstanden sind. So spielte zum Beispiel Jonas Sagstetter mit Daniel Kirchner, weil ihre jeweiligen angestammten Partner noch verletzt sind. Eric Stadie mit Mio Wüst, weil Momme Lorenz bei der U22-EM vertreten war.

Eric Stadie und Mio Wüst. Foto: Justus Stegemann

Das öffnete untere anderem die Tür ins Hauptfeld für einige Teams, die bei den ersten Turnieren noch knapp gescheitert waren. Diese Chance nutzten Kubo/Wegner, die sich in zwei engen Quali-Spielen durchsetzten und nicht nur ihre erste gemeinsame Hauptfeld-Teilnahme erringen konnten, sondern sogar die Erste überhaupt für Luis Kubo. Das andere Ticket ging an Wolf/Wolf, die sich in einem ebenfalls knappen und umkämpften Spiel gegen Ahr/Henrichs durchsetzten, ihr Minimalziel Hauptfeld erreichten und damit die Abwärtsspirale stoppen konnten.

Im Hauptfeld am Freitag bildete sich dann das genaue Gegenteil vom Frauen-Turnier ab. Jeweils die besser gesetzte Mannschaft setzte sich durch, aber ohne, dass dabei jedes Duell deutlich war.

In den ersten K.O.-Spielen am Samstagmorgen setzte sich dies fort, sodass beide Teams aus der Quali ihre Zelte abbrechen mussten. Während Kubo/Wegner sich gut verkauften und ihre beiden Spiele nur knapp verloren, beenden „die Wölfe“ damit das nächste Turnier mit einem letzten Platz und warten weiter auf ihren ersten sportlich gewonnenen Hauptfeld-Sieg.

Henning/Poniewaz, die als zweites Team hinter Pfretzschner/Winter für den Nations Cup nominiert wurden, sicherten sich dann souverän als erstes Team ihr Halbfinal-Ticket. Ihnen folgten durch den Winner-Baum in einem knappen und packenden Spiel Reinhardt/Sievers, die Huster/Wüst in den Loser-Baum schickte.

Diese konnten ihre zweite Chance aber nutzen und zogen gegen Stadie/Wüst ins Halbfinale ein. Gleiches gilt auch für Kirchner/Sagstetter: Im zweiten Anlauf gelang den beiden die kleine Überraschung gegen das formstarke Brüder-Duo Harms/Harms, mit dem belohnenden Ergebnis auch am Sonntagvormittag noch im Turnier vertreten zu sein.

Doch auch dort blieb die große Überraschung aus. Henning/Poniewaz wurden ihrem Ruf des Setzlistenplatzes an der Sonne gerecht und drehten nach Satzverlust das Spiel gegen Huster/Wüst. Genauso hatten auch Reinhardt/Sievers in zwei knappen Sätzen gegen Kirchner/Sagstetter jeweils das bessere Ende für sich, sodass am Ende die beiden bestgesetzten Teams mit Henning/Poniewaz und Reinhardt/Sievers sich im Finale gegenüberstanden.

In einem nicht immer hochklassigen, aber dafür umso mehr umkämpften Finale schenkten sich beide Teams nichts, mit der logischen Folge, dass der Titel im Tiebreak vergeben werden musste. Auch dort reihten sich Führungswechsel und Breaks aneinander, wie in den ersten beiden Sätzen musste die Entscheidung in der Verlängerung her. Nach Matchbällen auf beiden Seiten konnten sich Jonas Reinhardt und Milan Sievers durchsetzen, die damit jeweils ihren ersten Triumph überhaupt auf der German Beach Tour feiern konnten und ihren Senkrechtstart nach der Team-Wiedervereinigung jetzt schon krönten.

Jonas Reinhardt (unten) und Milan Sievers (oben) gewinnen das Turnier in Bremen. Foto: Justus Stegemann

Im 13. Spiel des Männer-Turniers war es das Finale das erste und auch einzige Spiel an diesem Wochenende, in dem das schlechter gesetzte Team gewinnen konnte, auch eine Besonderheit.

GBT in Heidelberg unter Wasser

Weiter mit dem nächsten GBT-Stop geht es planmäßig vom 4. bis 7. Juli in Heidelberg. Aufgrund der Flut und des Hochwasser ist jedoch die am Neckar liegende Beachvolleyball-Anlage unter Wasser, sodass noch unklar ist, ob dieser Tourstop überhaupt wie geplant stattfinden kann. Informationen dazu werden in Kürze bekannt gegeben.

Für noch mehr Infos und einen ausführlicheren Rückblick auf das Turnier folge dem Sidecourt-Kommentar-Podcast und höre dir die neue Folge an, die unter der Woche erscheint.

Foto (Titelbild): Justus Stegemann

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