Die Netzhoppers Königs Wusterhausen müssen nach einer Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung ihre Einnahmen kurzfristig erhöhen. Der Volleyball-Bundesligist kündigte eine vorübergehende Preiserhöhung für Eintrittskarten und Merchandisingartikel an. Geschäftsführer Dirk Westphal schließt weitere Konsequenzen nicht aus – und spricht von einem persönlichen Scheitern.
Erst im September hatte Dirk Westphal, Geschäftsführer der Netzhoppers Königs Wusterhausen, in einem Brandbrief an die Stadtverordneten vor einem möglichen Rückzug des Vereins aus der Volleyball Bundesliga gewarnt. Nun gibt es neue Entwicklungen: Nach der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Montag reagiert der Bundesligist auf die beschlossenen Änderungen bei der kommunalen Sportförderung.
Wie die Netzhoppers mitteilten, werden die Preise für Tickets und Merchandisingartikel vorübergehend um jeweils zwei Euro erhöht. Als Grund nennt der Verein die Kürzung der städtischen Zuwendungen für den Bundesligabereich. Die Maßnahme sei kurzfristig notwendig, um die finanziellen Folgen abzufedern. Gleichzeitig bat der Verein seine Fans um Verständnis für den Schritt.
Netzhoppers müssen Finanzierungslücke schließen
Bislang förderte die Stadt Königs Wusterhausen die Personalkosten im Spitzensport in der ersten Bundesliga mit bis zu 80 Prozent, maximal jedoch 50.000 Euro. Die Stadtverwaltung hatte angesichts der angespannten Haushaltslage vorgeschlagen, die Förderung ab dem 1. Januar 2027 auf 50 Prozent und höchstens 40.000 Euro zu reduzieren.
Die Stadtverordneten entschieden sich am 12. Oktober für eine andere Lösung: Die Förderquote bleibt bei 80 Prozent, die maximale Fördersumme sinkt jedoch auf 40.000 Euro. Damit fällt die Kürzung geringer aus als ursprünglich von der Verwaltung vorgeschlagen.
Die finanziellen Auswirkungen sind für die Netzhoppers dennoch spürbar. Gegenüber der Märkischen Oderzeitung bezifferte Westphal die Finanzierungslücke für die laufende Saison auf 5.000 Euro. Für die kommenden Spielzeiten rechnet der Geschäftsführer voraussichtlich mit einem Fehlbetrag von 10.000 Euro.
Bei jährlichen Personalkosten von rund 61.000 Euro, verteilt auf vier Stellen, sei dies keine unbedeutende Summe. Neben der Preiserhöhung wollen die Netzhoppers deshalb auch ihre Freikartenpolitik deutlich einschränken.
Westphal akzeptiert Entscheidung
Westphal erklärte laut Märkischer Oderzeitung, dass er die demokratische Entscheidung akzeptiere. Das Zustandekommen der Abstimmung habe er allerdings als „sehr irritierend“ empfunden. Mehrere Änderungsanträge hätten die Beratungen unübersichtlich gemacht.
Sollte es durch die Preisanpassungen nun nicht gelingen, die Finanzierungslücke zu schließen, wären nach Angaben des Geschäftsführers weitere personelle Konsequenzen erforderlich. Das könnte die ehrenamtlich Engagierten zusätzlich belasten.
Westphal kündigte gegenüber der Märkischen Oderzeitung an, keinen Mitarbeiter entlassen zu wollen. Stattdessen stellte er einen persönlichen Verzicht in Aussicht: „Im äußersten Fall würde ich auf mein Gehalt verzichten und die laufende Saison ehrenamtlich als Geschäftsführer zu Ende führen.“
Mit dem Ende der Saison würde er seine Position allerdings zur Verfügung stellen. Ob die Netzhoppers langfristig weiter in der ersten Bundesliga spielen können, liege dann nicht mehr in seiner Hand.
Westphal bezeichnete die Entwicklung als „persönliches Scheitern“. Trotz der sportlichen Erfolge der vergangenen Saison sei es ihm nicht ausreichend gelungen, den Verein finanziell unabhängiger aufzustellen. Für die Zukunft hofft er deshalb auf zusätzliche Sponsoren und darauf, dass die Zuschauer die Netzhoppers auch zu höheren Preisen unterstützen.
Denis Kaliberda tritt Vertrag nicht an
Neben finanziellen Schwierigkeiten müssen die Netzhoppers nun auch einen sportlichen Rückschlag hinnehmen. Kurz vor dem ersten offiziellen Wettbewerb beim Ligacup in Hildesheim vermeldet der Club, dass Denis Kaliberda beschloss, „seinen Vertrag bei den Netzhoppers aus nachvollziehbaren familiären Gründen nicht anzutreten.“ Er würde dem Club jedoch weiterhin „verbunden“ bleiben und „den Verein im Hintergrund unterstützen“. Aus welchen Gründen Kaliberda sich zu diesem Schritt entschloss und wie er den Verein unterstützt, ist noch unklar.
Bundesliga-Verbleib bleibt Thema
Ein unmittelbarer Rückzug aus der Volleyball Bundesliga ist mit den nun angekündigten Maßnahmen nicht verbunden. Die neuen Entwicklungen zeigen jedoch, dass die finanzielle Situation des Vereins weiterhin angespannt ist.
Im September hatte Westphal noch angekündigt, die Netzhoppers im Falle der ursprünglich geplanten Förderkürzung vom Bundesligaspielbetrieb abzumelden und als Geschäftsführer nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Die nun beschlossene Regelung fällt zwar weniger drastisch aus, zwingt den Verein aber dennoch zu Einschnitten.
Ob Preiserhöhungen, eingeschränkte Freikarten und mögliche zusätzliche Sponsoringeinnahmen ausreichen, um die Finanzierungslücke dauerhaft zu schließen, muss sich erst zeigen. Für die Netzhoppers geht es damit weiterhin nicht nur um die wirtschaftliche Stabilität der laufenden Saison, sondern auch um die langfristige Perspektive in der ersten Volleyball Bundesliga.
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