Neuer Trainer, neues Team, neue Stadt und trotzdem sofort mittendrin: Andrea Anastasi ist seit wenigen Wochen Cheftrainer der Berlin Recycling Volleys, und im Podcast spricht der Italiener zum ersten Mal ausführlich über seinen Start in Deutschland. Ein Gespräch über weißes Haar als Erfahrungsbeweis, sieben Spieler im Training und die Frage, warum ihm die Titel der Vergangenheit herzlich egal sind.
Anastasi kennt Berlin eigentlich schon lange, jedoch eher als Gegner. Mehrfach stand er mit Vereinen wie Perugia oder Piacenza in der Champions League in der Max-Schmeling-Halle, verloren hat er dort nie. Dass er den Verein jetzt von innen kennenlernt, überrascht ihn trotzdem: „Ich dachte, sie sind gut organisiert. Aber jetzt, wo ich drin bin, merke ich: Sie stehen europäischen Topvereinen in nichts nach – sie sind eher noch besser organisiert.“
Sieben Spieler, ein Rekord und viele offene Fragen
Ganz einfach ist der Einstieg trotzdem nicht: Zu Saisonbeginn standen Anastasi gerade einmal sieben Spieler zur Verfügung, weil ein Großteil des Kaders bei den Nationalteams war. Wie man mit sieben Mann trainiert, ohne 6-gegen-6 spielen zu können, welche Rolle dabei der Nachwuchs von Berlin Volleys Youngstars spielen könnte und warum er den kompletten Umbruch als Chance statt als Risiko sieht, erzählt er offen im Gespräch.

Auch technisch tickt Anastasi anders, als man es aus seinen letzten Stationen in Polen und Italien kennen könnte. Dort arbeitete er mit gestandenen Nationalspielern, bei denen es vor allem ums Feintuning ging. In Berlin will er dagegen von Grund auf an der Technik feilen – ob bei Zuspieler Arthur Wehner, den er zu einem der besten seiner Position in Deutschland formen will, oder bei jungen Spielern wie dem Amerikaner Ryan Barnett. Seine Trainingsphilosophie bringt er auf einen einfachen Nenner: „Wenn du Basketballspieler bist und wirfst, musst du hundert-, tausendmal am Tag werfen. Im Volleyball ist gute Technik genauso: Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung.“
Kein Blick zurück, volle Konzentration auf morgen
Ein Thema, das im Podcast immer wieder durchklingt: Anastasi will nicht über die Vergangenheit des Clubs sprechen. Auch nicht über die fast zehnjährige deutsche Meisterserie der Volleys. „Ich denke nicht viel darüber nach, was in der Vergangenheit passiert ist. Ich denke an meinen Job, ich denke an morgen.“ Stattdessen erzählt er, wie sein Gespräch mit Präsident Kaweh Niroomand tatsächlich ablief, warum der eher einen erfahrenen als einen jungen Trainer wollte – und mit einem Augenzwinkern, was sein weißes Haar damit zu tun hat.
Persönlich wird es zum Schluss: Anastasi spricht über seine bislang schmerzhafteste sportliche Erfahrung – Olympia-Bronze 2000 in Sydney, das er im Rückblick erst Jahre später richtig zu schätzen lernte –, über seine Einschätzung zur bevorstehenden Europameisterschaft (mitsamt Geheimfavorit) und über ganz grundsätzliche Dinge wie Kommunikation im multikulturellen Team, das bei den Volleys aus Spielern aus den USA, Argentinien, Rumänien und den Niederlanden besteht.
Und natürlich darf ein kleiner Schnellfeuer-Fragebogen nicht fehlen: Pasta oder Currywurst, früh aufstehen oder lange schlafen, Meer oder See – Anastasi antwortet schlagfertig und verrät nebenbei, warum er zurzeit lieber Dan Brown liest als Fachliteratur.
Reinhören lohnt sich für alle, die wissen wollen, mit welcher Philosophie einer der erfahrensten Trainer Europas die Berlin Recycling Volleys wieder an die Spitze führen will – und warum er dabei lieber nach vorne als zurückblickt.
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