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„Zu fett“ zum Pfeifen – Martina Scavelli mit emotionalem Text

In Italien sorgt gerade die Schiedsrichterin Martina Scavelli für großes mediales Aufsehen. In einem bewegenden Facebook-Post schildert sie ihre Situation, in der sie ihren Rücktritt als Schiedsrichterin von der zweiten italienischen Volleyball-Liga bekanntgibt.

„Egonu du bist schwarz ICH BIN FETT! […] Ich kann es nicht ertragen, wie Kühe gemessen und gewogen zu werden!“ schreibt Martina Scavelli offen. Wie auch hier: „ich will nicht länger für ein paar Zentimeter oder ein paar Pfund mehr in die Enge getrieben werden!“ Es wäre ihr zwar weiterhin erlaubt als Schiedsrichterin tätig zu sein, aber nicht mehr in der zweiten Liga. Denn aufgrund ihres BMI habe sie „eine Strafe von 3 Punkten […] erhalten und die Beschäftigungbefreiung bis die erwarteten Werte erreicht sind.“ Weiter wird klar, weshalb sie den öffentlichen Weg geht: „Regeln sind Regeln, ich habe sie akzeptiert und respektiere sie, aber das bedeutet nicht, dass sie heilig und unveränderbar sind.“

Verband reagiert mit Stellungnahme

Aufgrund der medialen Aufmerksamkeit sah sich der italienische Volleyball-Verband FIPAV gezwungen, auf die Vorwürfe zu reagieren: „Die FIPAV ist wie immer bestrebt, ihr Verantwortungsbewusstsein […] zu betonen, auch bei heiklen Themen wie dem vorliegenden. Darüber hinaus war der Verband immer bereit, einen für alle offenen Dialog zu führen […]. In diesem Sinne ist es weder denkbar noch akzeptabel, die fragliche Angelegenheit mit einer diskriminierenden Haltung in Verbindung zu bringen. Die FIPAV hat bereits mehr als einmal bewiesen, dass es zu ihren Zielen gehört, alle Formen von Diskriminierung zu bekämpfen und gegenseitigen Respekt und Gleichheit zu fördern.“

Eine Begründung, was diese Regelung rechtfertigt bleibt also aus. Es ist auch nicht zu erkennen, dass eine Veränderung angestrebt wird.

Foto: Martina Scavelli

Situation in anderen Verbänden

In der Volleyball Bundesliga gibt es solch eine Regelung nicht, was mir Jennifer Hesse bestätigte. Sie sitzt im Bundesschiedsrichteraussschuss für Familien- und Frauenbelange. Jedoch „greift sie auch in der CEV und beim FIVB“. Auch bei Schwangeren greift der italienische Verband hart durch, die dann „gar kein Spiel mehr leiten“ dürfen.

Meinung

Meiner Meinung nach gibt es keine Grundlage für diese Regel, da im Volleyball keine körperliche Leistung erbracht werden muss, wie z. B. bei Laufsportarten. Selbst wenn sie eine Rolle spielen sollte, kann mit Leistungstests immer noch sichergestellt werden, dass die Schiedsrichter*innen leistungsfähig sind – ob mehrgewichtig oder nicht. Hier halte ich es wie Martina Scavelli: „Die psychische Gesundheit, die Integrität eines Einzelnen, die Leidenschaft und Opferbereitschaft eines Menschen sind viel mehr wert als ein paar Zentimeter zu viel!“

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