Volleyball bald bei Winterspielen? IOC prüft radikale Änderungen

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Wie der Investigativ-Journalist Duncan Mackay berichtet, soll das IOC prüfen, kostenintensive Sportarten wie Bob, Rodeln und Skeleton aus dem Programm der Olympischen Winterspiele zu streichen. Als mögliche Ersatzsportarten werden unter anderem Volleyball und Handball gehandelt.

Auslöser der Überlegungen sind vor allem die hohen Kosten und die geringe Nachhaltigkeit von Eiskanälen. Für die Winterspiele in Mailand und Cortina wurde ein neuer Kanal gebaut, dessen Kosten von ursprünglich 42 auf 118 Millionen Euro explodierten. Gleichzeitig verfallen ältere Anlagen, etwa die Bahn von Turin 2006.

Für den deutschen Wintersport wäre ein Aus ein schwerer Schlag. In Cortina gewannen deutsche Athletinnen und Athleten 19 der 26 möglichen Medaillen im Bob-, Rodel- und Skeletonbereich, darunter sechs Goldmedaillen.

Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) reagiert dennoch gelassen. Vorstand Thomas Schwab betont, man sei „optimistisch und entspannt“, Lösungen anbieten zu können. Diskutiert werden kostengünstigere Bahnen in Modulbauweise, die an verschiedenen Orten aufgebaut werden könnten. Bei den nächsten Spielen 2030 soll jedenfalls alles noch bleiben wie bisher.

Volleyball als Ersatz?

Sollten die Eiskanalsportarten tatsächlich gestrichen werden, müssten neue Wettbewerbe ins Programm aufgenommen werden. Dabei gibt es Überlegungen, Hallensportarten wie Volleyball und Handball in die Winterspiele zu verlagern. Von Snow-Volleyball scheint offenbar keine Rede zu sein, nachdem die FIVB entsprechende Bemühungen nicht weiter verfolgt hat, die Sportart weiter zu etablieren. Auch der DVV richtet deshalb keine Deutschen Meisterschaften mehr aus.

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Spielt beim FIVB und DVV offenbar keine Rolle mehr – Snow-Volleyball. Foto: DVV

Hintergrund ist auch die stetig wachsende Größe der Sommerspiele. In Paris 2024 nahmen über 10.500 Athleten teil, mehr als doppelt so viele wie noch 1980. Allein auf Volleyball entfallen derzeit 312 Teilnehmerplätze, nachdem man die Kaderplätze der Teams zuletzt von zwölf auf 13 erhöhte. Ein Wechsel in den Winter könnte helfen, die Sommerprogramme zu entlasten.

Katastrophe oder Chance für den Volleyball?

Ein tatsächlicher Wechsel gilt derzeit als unwahrscheinlich, hätte aber weitreichende Folgen – nicht nur negative. Bei Winterspielen wäre die Konkurrenz um Aufmerksamkeit deutlich geringer: Dort gibt es rund 100 Entscheidungen, bei Sommerspielen mehr als 300. Auch die Einschaltquoten in Deutschland sprechen für sich, die in Milano in der Spitze sogar höher waren, als bei den Sommerspielen. Auch in den USA konnten im Vergleich zu Peking 96% höhere Quoten erzielt werden.

Zudem könnte durch die niedrigere Athletenzahl über eine Erweiterung des Teilnehmerfeldes auf mehr als zwölf Nationen nachgedacht werden. Für Deutschland wäre das besonders interessant, da die Frauen-Nationalmannschaft zuletzt 2004 an Olympischen Spielen teilnahm. Auch für die deutschen Männer gilt die Teilnahme an den Spielen nie als selbstverständlich.

Ob das IOC tatsächlich diesen Schritt wagt, ist offen. Die FIVB wird in die Diskussionen sicherlich noch einbezogen, reagierte jedoch bisher nicht auf die Überlegungen.

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