Die kubanische Top-Mannschaft Noslén Díaz / Jorge Luis Alayo, aktuell eines der zehn besten Teams der Welt, hat sich entschieden, nicht länger unter der staatlichen Sportstruktur Kubas anzutreten. Hintergrund ist ein Streit um mehr als 107.000 US-Dollar an Preisgeldern, die das Duo bei internationalen Turnieren erspielt hat, aber offenbar bis heute nicht ausgezahlt bekam.
Verwaltet wird der kubanische Spitzensport vom INDER (Instituto Nacional de Deportes, Educación Física y Recreación) – einer staatlichen Behörde, die in Kuba praktisch alle Sportarten organisiert, Verträge kontrolliert und auch die Einnahmen der Athleten abwickelt. Wer international für Kuba startet, tut das normalerweise unter dieser Struktur.
Genau daran entzündete sich nun der Konflikt. Laut Berichten stammt das ausstehende Geld der beiden Profis nicht aus staatlichen Mitteln, sondern direkt aus Preisgeldern der Beach Pro Tour und anderer internationaler Wettbewerbe. Die Sportbehörde INDER äußerte sich bislang nicht zu dem Fall.
Bei der Summe soll es um mindestens 107.000 US-Dollar gehen, was auch nicht unrealistisch sein dürfte. Bei der WM in Adelaide gab es für den neunten Platz 11.000 Dollar. Zudem kamen 2025 mehrere Top-10 Platzierungen bei Elite16-Turnieren hinzu, mitsamt einem Turniersieg in Quintana Roo, dass mit 40.000 Dollar dotiert wurde.

Erst Alayo, dann Díaz
Den Anfang machte Jorge Luis Alayo, der bereits im Januar seinen Rücktritt aus dem offiziellen System beantragte. Teamkollege Díaz erklärte damals noch, er wolle eigentlich weiterspielen und gehe davon aus, dass das Geld irgendwann ausgezahlt werde. Doch nur wenige Wochen verließ auch er das System – mit unbekannten Folgen.
Denn wie es für Díaz und Alayo weitergeht, ist bislang offen. Möglich wäre ein Start für einen anderen Verband, wie es auch schon bei diversen Hallenspielern zu beobachten ist.
Ein bekanntes Problem im kubanischen Sport
Ein Beispiel bei der Weltmeisterschaft in Australien zeigt die schwierigen Bedingungen auf, unter der kubanische Spitzensportler schon seit Jahren leiden. So mussten Díaz und Alayo offenbar auf dem Boden des Flughafens übernachten, kurz bevor sie für ihr Land bei der Weltmeisterschaft antraten und schließlich den 9. Platz belegten.
Der Fall passt in ein Muster, das im kubanischen Spitzensport seit Jahren zu beobachten ist. Athleten berichten immer wieder von verspäteten Auszahlungen, fehlender Transparenz bei Einnahmen und strengen Einschränkungen bei individuellen Sponsoren- oder Profi-Verträgen. Nicht selten endet das mit Rücktritten oder dem Wechsel ins Ausland.
Promintente Beispiele sind Weltklassespieler wie Wilfredo Leon, der mittlerweile für Polen aufläuft, und Melissa Vargas bei den Frauen, die für die Türkei antritt. Mit der Rückkehr von Robertlandy Simon in die kubanische Nationalmannschaft gab es eigentlich wieder Hoffnung, dass die desolaten Zustände für kubanische Athlet*innen der Vergangenheit angehören. Dies scheint weiterhin nicht der Fall zu sein.
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