Der deutsche Volleyball trauert um Chang Cheng Liu. Der frühere chinesische Nationalspieler, Olympiateilnehmer und langjährige Trainer ist am Montag an den Folgen einer schweren Erkrankung verstorben. Über Jahrzehnte prägte er den Volleyball in Deutschland, insbesondere den Moerser SC.
Chang Cheng Liu ist im Alter von 62 Jahren verstorben. Für die chinesische Nationalmannschaft absolvierte Liu 203 Länderspiele. 1984 nahm er an den Olympischen Spielen in Los Angeles teil. 1989 wechselte er nach Deutschland zum Moerser SC, mit dem er eine erfolgreiche Ära prägte. Gemeinsam mit Georg Grozer bildete er das „Goldene Duo“, das maßgeblich zu den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte beitrug.
Mit Moers gewann Liu die deutsche Meisterschaft, den DVV-Pokal und den Europapokal. Nach seiner aktiven Karriere kehrte er 2009 als Trainer zum Moerser SC zurück und betreute die Mannschaft bis 2016. Auch in den vergangenen Jahren blieb er dem Verein eng verbunden.
Erfolgreiche Jahre in Borken
Im Juni 2016 übernahm Liu das Traineramt bei den Skurios Volleys Borken. Acht Spielzeiten lang stand er an der Seitenlinie und führte das Team zu mehreren Erfolgen. Unter seiner Leitung gewann die Mannschaft zweimal die Meisterschaft der 2. Bundesliga Nord und dreimal den WVV-Pokal.
Im Sommer 2024 wechselte Liu zum damaligen Bundesliga-Aufsteiger VC Bitterfeld-Wolfen, der inzwischen unter dem Namen cerebricks VOLLEY GOATS antritt. Bereits im Oktober 2024 musste er seine Tätigkeit als Cheftrainer aufgrund einer schweren Erkrankung unterbrechen.
Trotz seiner gesundheitlichen Probleme blieb Liu dem Volleyball verbunden. Zuletzt unterstützte er den Moerser SC erneut ehrenamtlich. Nachdem er in der vergangenen Saison spontan um Hilfe gebeten worden war, stand er bereits einen Tag später in der Halle und betreute die Mannschaft fast während der gesamten Rückrunde. Zur laufenden Drittligasaison hatte er zunächst wieder das Amt des Cheftrainers übernommen, musste dieses jedoch wenige Wochen vor seinem Tod aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.
Moerser SC verliert eine prägende Persönlichkeit
Besonders tief sitzt die Trauer beim Moerser SC. Vereinsvorsitzender Guido Lohmann würdigte Liu als herausragenden Spieler, Toptrainer und eine der großen Identifikationsfiguren des Vereins. Neben seinen sportlichen Leistungen hob er vor allem dessen Charakter, Loyalität und Verbundenheit zum Verein hervor.
„Ich persönlich verliere mit ihm einen lieben Freund. Menschen mit seiner Charakterstärke und Loyalität sind selten. Sein Tod macht mich sehr sehr traurig“, erklärte Lohmann.
Der Moerser SC kündigte an, die Mannschaft werde zu Ehren Lius beim Auswärtsspiel in Aachen und beim Heimspiel gegen Münster mit Trauerflor auflaufen.
Auch die cerebricks VOLLEY GOATS zeigten sich tief betroffen. Der Verein erinnerte an Lius große Erfahrung und Leidenschaft, die er in der Saison 2024/25 als Cheftrainer eingebracht hatte. Dass er seine Arbeit bereits nach kurzer Zeit krankheitsbedingt beenden musste, sei schon damals bitter gewesen. Der Verein sei dankbar für seinen Einsatz und die gemeinsame Zeit.
Ein Leben für den Volleyball
Die Volleyball Bundesliga würdigte Liu als leidenschaftlichen Sportler und engagierten Trainer, der den deutschen Volleyball über Jahrzehnte beeinflusst habe. Als Trainer habe er für hohe Intensität, akribische Vorbereitung und große Leidenschaft gestanden. Er habe seine Spieler gefordert, sich selbst hohe Ansprüche gesetzt und Niederlagen als Ansporn verstanden, neue Lösungen zu finden.
Sein Wirken reichte vom internationalen Spitzenvolleyball als Nationalspieler über nationale und europäische Titel mit dem Moerser SC bis hin zur erfolgreichen Arbeit im Frauenvolleyball in Borken und seinem letzten Engagement in der 3. Liga.
Volleyball Insider spricht seiner Frau, seinen Töchtern, seiner Familie und allen Angehörigen sowie Wegbegleitern von Chang Cheng Liu sein tief empfundenes Beileid aus.




