Was ist noch erlaubt? VBL übernimmt neue Regeltests

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Die Volleyball Bundesliga (VBL) weitet die Regeltests zur Saison 2026/27 deutlich aus. Nachdem bereits zum Saisonstart erste Anpassungen eingeführt worden waren, übernimmt die VBL nun weitere Varianten, die zuvor von Weltverband FIVB und Europaverband CEV getestet wurden. Die neuen Regelungen gelten ab dem 9. Oktober im gesamten Spielbetrieb der VBL sowie im Zoi DVV-Pokal ab der Qualifikationsrunde.

Eine der auffälligsten Änderungen betrifft künftig die Deckenberührung. Berührt der Ball nach der ersten oder zweiten Ballberührung eines Teams die Decke oder einen anderen festen Gegenstand oberhalb der Spielfläche und bleibt anschließend auf der eigenen Seite spielbar, darf der Ballwechsel fortgesetzt werden. Prallt der Ball dagegen auf die gegnerische Spielfläche zurück, ist der Ballwechsel beendet.

Die VBL will die Auswirkungen insbesondere mit Blick auf die unterschiedlichen Hallenbedingungen beobachten. Während bei offiziellen FIVB-Wettbewerben eine freie Höhe von mindestens 12,5 Metern vorgeschrieben ist, beträgt die Mindesthöhe in der 2. Bundesliga lediglich sieben Meter.

Mehr Wechsel und flexiblere Libero-Regel

Auch bei den Spielerwechseln gibt es eine Änderung. Statt bisher sechs sind künftig acht Wechsel pro Satz möglich. Die übrigen Bestimmungen zu Spielerwechseln bleiben unverändert.

Gleichzeitig wird die Mannschaftszusammensetzung flexibler. Innerhalb der 14 Spieler:innen eines Teams kann am Spieltag künftig frei entschieden werden, ob zwei, ein oder kein Libero eingesetzt wird.

Auch das Verhalten der Schiedsrichter:innen in bestimmten Spielsituationen wird angepasst. Bei eindeutig erkennbaren Situationen soll künftig teilweise auf den Pfiff verzichtet werden. Das betrifft unter anderem Bälle, die eindeutig im oder außerhalb des Feldes landen, einen Aufschlag, der die Netzebene nicht überquert, sowie eindeutig ins Aus fliegende Bälle nach einer Blockberührung. Statt eines Pfiffs zeigen die Schiedsrichter:innen lediglich das entsprechende Handzeichen.

Für die Teams wird zudem die Erwärmung neu organisiert. Die letzten drei Minuten des Aufwärmens am Netz sind künftig für die Aufschläge reserviert. Beide Mannschaften erhalten dabei jeweils 90 Sekunden lang das gesamte Spielfeld.

In der 1. Bundesliga dürfen Trainer:innen außerdem mit dem Schiedsgericht über die Erläuterung eines Challenge-Antrags sprechen.

Bereits seit Saisonstart gelten weitere Tests

Einige Regeltests waren bereits zum Saisonstart eingeführt worden. In allen Bundesligen dürfen Spieler:innen in der Annahme ihre Position bereits mit Beginn der Auftaktbewegung des Aufschlagspielers beziehungsweise der Aufschlagspielerin verlassen.

Gleichzeitig soll bei der technischen Bewertung von Angriffsbällen strenger darauf geachtet werden, ob ein Ball geschoben, gehoben oder länger geführt wird.

In der 1. Bundesliga gelten darüber hinaus besondere Challenge-Regeln. Eine Challenge zu einem laufenden Spielzug kann weiterhin beantragt werden, allerdings erst nach dessen Ende. Außerdem können nun auch Ballberührungen außerhalb einer Blockaktion überprüft werden, beispielsweise mögliche Berührungen bei der Annahme oder Feldabwehr.

Eine weitere Änderung betrifft die Konsequenzen einer erfolglosen Challenge: Verliert eine Mannschaft ihre Challenge, kann sie anschließend keine Auszeit mehr nehmen.

Die Dritten Ligen und tieferen Spielklassen sowie die Jugendwettbewerbe des Deutschen Volleyball-Verbandes und der Landesverbände bleiben von den Änderungen unberührt. Bei sämtlichen Anpassungen handelt es sich ´jedoch ausdrücklich um Regeltests. Die offiziellen Volleyballregeln wurden zur Saison 2026/27 nicht allgemein geändert.

Georg Grozer bei der Olympia-Qualifikation.
Es wird strenger darauf geachtet, ob ein Ball geschoben, gehoben oder länger geführt wird. Foto: Volleyball World

Kommentar: Was ist beim Lob noch erlaubt?

Dass sich der Volleyballsport mit seinen Regeln weiterentwickelt, ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Gerade die Abschaffung der sogenannten „Power-Tips“ fand in der Volleyball-Community durchaus Verständnis und wurde teilweise sogar gefordert.

Problematischer ist allerdings, dass bei der Bewertung von gehobenen Angriffsbällen auf internationaler Ebene bislang keine klare Linie zu erkennen war und die Auslegung stark vom jeweiligen Schiedsgericht abhängt.

Zudem waren bei VNL und Europameisterschaft immer wieder abgepfiffene Lobs zu sehen, die früher, in der Zeit bevor sich Power-Tips durchsetzten, als absolut sauber galten. Die Auslegung ist damit deutlich strenger geworden als früher.

Das sorgt für Unverständnis und auch Unklarheit bei Fans und Spieler:innen. Denn wenn selbst auf höchstem internationalen Niveau nicht erkennbar ist, welche Berührung noch erlaubt ist und welche bereits als gehoben gilt, wird die Regel schwer vermittelbar.

Die neuen Regeltests können deshalb durchaus eine Chance sein. Entscheidend wird allerdings sein, dass sich über die Zeit eine nachvollziehbare und einheitliche Linie entwickelt.

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