„Zu klein“: Hans Voigt fällt schonungsloses Urteil über Deutsche Meisterinnen

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Die deutschen Meisterschaften in Dortmund sind vorbei. Sandra Ittlinger und Kim van de Velde haben sich bei den Frauen erstmals gemeinsam zum nationalen Titel gespielt, bei den Männern krönten sich Nils Ehlers und Lui Wüst ebenfalls zu Deutschen Meistern. Doch hinter den beiden Titeln steckt eine viel größere Frage: Welche deutschen Teams haben tatsächlich das Potenzial, 2028 in Los Angeles um olympische Medaillen zu kämpfen?

Einer, der bei dieser Frage nicht um den heißen Brei herumredet, ist Hans Voigt. Die 81 Jahre alte „leise Guru“ verfolgt den deutschen Beachvolleyball weiterhin aufmerksam.

„Sehr viele Optionen“, aber auch klare Schwachstellen

Voigt sieht insbesondere in Louisa Lippmann und Melanie Paul ein Duo mit interessanten Voraussetzungen. Lippmann ist mit 1,91 Metern eine der größten Spielerinnen im deutschen Spitzenfeld, Paul schlägt als Linkshänderin. Für Voigt eine Kombination, die „sehr viele Optionen“ bietet, wie er der F.A.Z. mitteilte.

Doch der Trainer belässt es nicht bei Lob. Bei Lippmann sieht er Defizite in der Annahme und führt diese auf Probleme bei Körperkontrolle und Beinarbeit zurück. Paul wiederum habe Schwierigkeiten, Lösungen im Angriff zu finden, wenn sie das Zuspiel nicht in optimaler Position erreiche.

Noch deutlicher wird er bei Sandra Ittlinger und Kim van de Velde. Technisch seien die Deutschen den anderen Teams voraus, glaubt Voigt. Für internationale Spitzenleistungen reiche das seiner Meinung nach allerdings nicht aus. „Weil sie zu klein sind“, lautet sein schonungsloses Urteil. Ittlinger misst 1,81 Meter, van de Velde 1,79 Meter. Für Voigt ist das im internationalen Spitzenbereich ein entscheidender Nachteil.

Jetzt beginnt das große Rätselraten

Und damit ist man bei der spannendsten Frage, die Dortmund hinterlassen hat. Die meisten deutschen Topteams haben sich längst auf einen neuen Olympiazyklus eingestellt. Doch Los Angeles 2028 ist noch zwei Jahre entfernt und genau deshalb ist jetzt noch Zeit für Veränderungen.

Bei manchen Konstellationen dürfte es allerdings durchaus Gesprächsbedarf geben. Cinja Tillmann und Svenja Müller spielen bereits seit 2022 zusammen und haben in dieser Zeit enorm viel erreicht. Europameistertitel, WM-Bronze und vier deutsche Meisterschaften in Folge stehen auf der Habenseite.

Auch 2026 waren sie international regelmäßig konkurrenzfähig. Beim Elite16 in Montreal erreichten sie immerhin wieder das Halbfinale. Dennoch war die Saison nicht die ganz große Erfolgsgeschichte. Die Deutsche Meisterschaft verpassten die Titelverteidigerinnen verletzungsbedingt.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: Ist eine seit Jahren bestehende Partnerschaft automatisch auch die beste Konstellation für Los Angeles?

Noch gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Tillmann und Müller tatsächlich vor einer Trennung stehen. Aber wenn im deutschen Beachvolleyball über neue Konstellationen nachgedacht wird, dann ist der Zeitpunkt dafür jetzt günstiger als später.

Für eine Trennung dürfte für Tillmann jedoch nur Louisa Lippmann infrage kommen. Sie hat sich allerdings erst vor wenigen Monaten für Melanie Paul entschieden. Das neue Duo wurde ausdrücklich mit Blick auf den neuen Olympiazyklus zusammengestellt. Doch wenn Tillmann tatsächlich irgendwann zu dem Schluss käme, dass sie noch einmal etwas verändern möchte, wäre Lippmann aufgrund ihrer Größe und ihres Potenzials eine naheliegende Kandidatin.

Auch bei Ehlers und Wickler ist plötzlich vieles offen

Genauso spannend ist die Situation bei den Männern. Nils Ehlers und Clemens Wickler gehören ebenfalls seit 2022 zu den erfolgreichsten deutschen Beachvolleyball-Teams. Olympia-Silber in Paris, WM-Halbfinale und zahlreiche internationale Erfolge haben das Duo zu einem der Aushängeschilder des deutschen Beachvolleyballs gemacht.

Doch Wicklers hartnäckige Schulterprobleme verhinderten jüngst gemeinsame Auftritte. Der 32-Jährige hatte bereits die komplette Saison 2025 mit Beschwerden gespielt und entschied sich anschließend dafür, die Schulter vollständig auszukurieren.

Ehlers fand mit Lui Wüst einen Partner, mit dem plötzlich etwas funktionierte, was ihm mit Wickler bislang verwehrt geblieben war: ein Sieg bei einem Elite16-Turnier. In Hamburg gewannen Ehlers/Wüst sensationell Gold. Für Ehlers war es der erste Titel auf diesem Niveau überhaupt. Wenig später folgte in Dortmund der nächste Titel: Deutscher Meister.

Lui Wüst und Nils Ehlers sind Deutsche Meister 2026. Foto: Justus Stegemann

Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass Ehlers und Wüst künftig gemeinsam spielen werden. Wüst war ursprünglich als Interims-Partner eingesprungen. Doch die Ergebnisse machen die Frage interessant.

Ehlers selbst hat auf Fragen nach seiner Zukunft eher zurückhaltend reagiert und eine Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. Damit ist zumindest eines klar: Die Zukunft von Ehlers/Wickler ist nicht in Stein gemeißelt.

Für Ehlers ist die Situation besonders spannend. Der 33-Jährige hat bereits betont, dass Los Angeles 2028 sein letzter großer Olympiazyklus sein soll. Wenn er seine Karriere dort mit einer weiteren Medaille beenden möchte, muss die Partnerfrage zwangsläufig mitgedacht werden.

Was ist wichtiger: ein Topteam – oder zwei Olympia-Chancen?

Die deutsche Ausgangslage ist kompliziert. Ehlers/Wickler gehören seit Jahren zur Weltspitze. Eine Trennung wäre deshalb ein enormes Risiko. Gleichzeitig könnte eine Neuordnung aber auch eine Chance sein.

Denn wenn Deutschland zwei leistungsstarke Teams aufstellt, könnte das die Wahrscheinlichkeit erhöhen, zwei Startplätze für Los Angeles zu sichern. Dafür müsste allerdings zunächst eine zweite Paarung entstehen, die international konstant auf höchstem Niveau konkurrenzfähig ist.

Ehlers/Wüst haben zumindest einen Vorgeschmack darauf geliefert, was möglich sein könnte. Doch fraglich bleibt, mit wem Wickler ein zweites Duo mit Potenzial für LA bilden könnte.

Als Kommentator hat Wickler immerhin äußerst positiv über Kalle Pieper gesprochen. Der junge Blockspieler gilt als eines der interessanteren Talente im deutschen Beachvolleyball. Allerdings ist Pieper gerade einmal 19 Jahre alt. Als unmittelbare Lösung für einen Olympiazyklus mit Wickler wäre er deshalb wohl eher ein langfristiges Projekt als eine kurzfristige Antwort. Doch in zwei Jahren ist vieles möglich.

Die deutsche Beachvolleyball-Szene steht damit vor einem möglicherweise entscheidenden Herbst. Denn wer wirklich um Medaillen in Los Angeles kämpfen will, darf sich nicht nur fragen, welches Team heute funktioniert. Die viel wichtigere Frage lautet: Welche Paarung hat in zwei Jahren die besten Chancen?

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