Job statt Leidenschaft – warum Tobias Krick vereinslos ist

tobias krick interview volleyball

110 Tage ist es her, seit der deutsche Nationalspieler Tobias Krick sein letztes Profispiel absolvierte. Damals setzte es eine 1:3-Niederlage gegen Slowenien, das deutsche Team schied aus der Volleyball-WM aus. Die meisten Nationalspieler kehrten anschließend wie üblich zu ihren Clubs zurück – außer Krick. Der Mittelblocker entschied sich für eine Auszeit. Volleyball Insider sprach exklusiv mit dem 27-jährigen TikTok-Star und wollte wissen, wie es ihm seitdem ergangen ist.

Hallo Tobias, wie kam es damals zu der Entscheidung, dir erstmal keinen neuen Club zu suchen?

Ich spiele seit meinem 15. Lebensjahr in der ersten Liga, damals in Frankfurt, und seit ich 17 bin auch jeden Sommer für die Nationalmannschaft. Nach Olympia habe ich gemerkt, dass es langsam Zeit für eine Pause wird. Allerdings hatte ich noch einen Vertrag in Berlin und wollte nicht kurzfristig absagen. Nach der WM dachte ich dann: Wenn nicht jetzt, wann dann? Der nächste Sommer ist schließlich auch schon wieder extrem wichtig mit Blick auf Olympia.

Zur Rückrunde wolltest du dann aber wieder einen Club finden. Wie ist der Stand?

Es gab einige Angebote, aber vor Weihnachten wollte ich nichts annehmen. Ich habe mir die Auszeit ja bewusst genommen, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Meine Schwester ist außerdem 30 geworden. Wenn jetzt allerdings ein wirklich interessantes Angebot kommen würde, würde ich es mir schon überlegen.

Gab es denn ein Angebot aus Berlin?

Das kann man sich ja denken. (lacht)

Eine Rückkehr zu den BR Volleys war für Krick keine Option. Foto: Kevin Mattig

Wirst du langsam nervös, weil du noch keinen passenden Club gefunden hast?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich möchte nicht wieder irgendwo unterschreiben, nur um zu spielen, und am Ende keinen Spaß zu haben. Wichtig ist mir, dass das Gesamtpaket stimmt – vor allem bei der Teamatmosphäre. Ich hätte auch Lust auf etwas komplett Neues, zum Beispiel Japan oder Brasilien. Italien und Deutschland sind strukturell doch sehr ähnlich. Aber klar, die Saison läuft auch nicht mehr ewig.

Wie hältst du dich aktuell fit?

Ich gehe mehrmals pro Woche ins Fitnessstudio.

Und Balltraining?

Gar nicht, das sehe ich ganz entspannt. Ich denke, dass man nach zwei, drei Wochen wieder drin ist. Als Mittelblocker musst du ja nicht allzu viel machen außer angreifen und blocken. Mein Aufschlag war sowieso noch nie meine größte Stärke. (lacht) Am Anfang war ich sogar ganz froh, keinen Ball zu sehen. Aber langsam kommt die Lust wieder.

Warum macht die Nationalmannschaft für dich so viel mehr Spaß als der Cluballtag?

Im Verein fühlt es sich oft wie ein Job an. Natürlich spielst du mit Berlin um Titel, aber am Ende geht es auch ums Geld. In der Nationalmannschaft ist es anders – da spielt man aus Leidenschaft. Man ist freiwillig dort, vorausgesetzt, man ist gut genug. Ein Turnier wie eine WM spiele ich deutlich lieber als eine lange, zähe Saison.

Wie blickst du rückblickend auf die letzte WM?

Ich war schon enttäuscht, weil ich mich persönlich sehr gut gefühlt habe. Uns haben aber einige wichtige Spieler gefehlt. Außerdem ist es vielleicht auch normal, dass man nach einem Höhepunkt wie Paris in ein kleines Loch fällt. Das hat man auch bei anderen Nationen gesehen. Trotzdem glaube ich, dass wir als Nationalmannschaft einen großen Schritt nach vorne gemacht haben.

Was hältst du vom neuen Bundestrainer Massimo Botti?

Ich kannte ihn vorher nicht. Er ist Italiener – das heißt meistens viel Training. Bei Andrea Giani war es teilweise so, dass man trainiert hat, bis das Knie fast abfällt. Da war mir Winiarski schon lieber. Ob Botti auch aus dieser alten Schule kommt, kann ich noch nicht sagen. Kontakt hatten wir bisher keinen.

Machst du nächsten Winter wieder eine Pause?

Das hängt davon ab, wie der Sommer läuft – und natürlich auch davon, ob ich jetzt zur Rückrunde noch etwas finde. Aber wenn ich mir andere Nationalspieler so anschaue, sieht man schon, dass so eine Pause durchaus guttun kann. Ich habe gerade auch absolut keine Schmerzen.

Wie hast du deine freie Zeit bisher genutzt?

Ich habe mich viel um meine Social-Media-Kanäle gekümmert und einfach das Leben genossen. Es ist auch einfach mal ein schönes Gefühl, zu wissen, dass morgen kein Training ansteht.

Vielen Dank für das Gespräch, Tobias!

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