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Volleyball Bundesliga goes Kommerz?

Die Volleyball Bundesliga der Frauen geht einen mutigen Weg und macht den Schritt hinter die Pay-Wall von Sport1Extra. Im Gegensatz zu den Herren, die weiterhin kostenlos verfügbar bleiben. Welche Auswirkungen hat das? Hier ein paar Gedanken.

Es ist schon bezeichnend wenn man sieht, wie viel Volleyball sich mittlerweile hinter einer Pay-Wall versteckt. Hat man sich früher noch gefreut, dass überhaupt etwas übertragen wird, ist dies zwar nun mehr denn je der Fall, doch Champions League, VNL und EM sind nur zu sehen, wenn man dafür zahlt. Nun folgt also auch die VBL und mein erster Eindruck ist, dass es ein Schuss ins Knie gewesen sein könnte.

Was bedeutet es für die Fans?

Wenn ein Fan bis dahin kostenlos Volleyball konsumieren konnte, macht er oder sie natürlich nicht gleich Freudensprünge, von nun an zur Kasse gebeten zu werden. Man war aber in der Vergangenheit auch nicht immer ganz glücklich über die Qualität der Übertragung, weshalb manche Vereine die es sich leisten konnten, schließlich auf eigene Kosten aufgerüstet haben. Hierzu war jedoch nicht jeder Verein in der Lage. Weiterhin hat auch nur die Corona-Pandemie sie dazu bewogen, vorher ist da nichts passiert. Dass ein höherer Standard nun bei allen Vereinen etabliert werden muss und wird, ist durch diesen Preis unabdingbar. Mit Sport1 als Partner, bin ich da guter Dinge (klammere jedoch mal die zweite Liga aus), die Entwicklung deshalb wünschenswert.

Ist der Preis zumutbar?

Um alle Spiele anschauen zu können, werden 79,90€ fällig, für den Clubpass 58,90€ und für ein Einzelspiel 4,90€. Das ist ein stolzer Preis, vor allem wenn man es auf sieben Monate runterbricht, in der die Bundesliga stattfindet. Die VBL gibt an, dass es sich dabei nur auf 0,17€ pro Spiel beläuft. Die Rechnung geht nicht ganz auf, schließlich muss man selbst bewerten, wie viele Spiele man wirklich schaut und ob es diesen Preis wert ist.
Auf Vereinsebene möchte es eher mit einer Dauerkarte vergleichen. Diese liegt meist bei 200 oder 300 Euro und beinhaltet lediglich die Heimspiele. Dann sind knapp 60 Euro durchaus zumutbar für alle Heim- und Auswärtsspiele. Wenn damit dann noch der Verein unterstützt wird, sollte das sogar guten Gewissens verschmerzbar sein.
Wie viele sich das Spiel Schwerin gegen Potsdam im Pay wohl anschauen werden? (Quelle: Sport1Extra)

Was bedeutet es für die Vereine?

Bei solch einem Schritt muss man sich immer fragen, wie groß denn die Fan-Basis ist. Die Reportings der vergangenen Saison zeigen, dass es pro Spiel so zwischen drei und sechs Tausend Zuschauer*innen waren. Angenommen, 30 % der Fans bleiben erhalten und schließen ein Abo ab (sagen wir mal 2.000 in Summe) und bei den Einnahmen werden die Vereine mit 50 % beteiligt (also mit 29,45€), wird ein Umsatz von 58.900 Euro erzielt. Das ist verdammt viel, bedenkt man, dass vorher lediglich die Kosten für die Kameras von sporttotal gedeckt wurden, also kein Umsatz erzielt. Das Risiko, den falschen Weg gegangen zu sein, ist damit finanziell nicht da.
Im Übrigen halte ich, von einer Vergrößerung der Schere von armen und reichen Vereine zu sprechen, in diesem Zusammenhang für falsch. Die Gewinnung von Fans ist harte Arbeit und die soll auch dementsprechend entlohnt werden.

Gäbe es Alternativen?

Schließlich darf man sich über mindestens 28 Spiele im Free-TV freuen, sodass die Sichtbarkeit vom Volleyball weiterhin gewährleistet ist. Hinsichtlich dieses Angebots blieb den Frauen daher keine andere Wahl als es anzunehmen.
Ja, den Herren wurde dasselbe Angebot gemacht, jedoch mit weitaus weniger TV-Spielen. Dies wurde auch deshalb abgelehnt, da mit Trops4 bzw. Spontent ein Partner für Twitch zur Seite steht, welcher weiß wie es funktionieren kann und operativ einiges an Aufwand abnimmt. Dies wurde den Frauen wiederum nicht angeboten. Ein gleichwertiges Angebot, welches weiterhin kostenfreie Spiele ermöglicht hätte, sehe ich nicht.

Fazit

In ein Pay-Modell zu gehen, ist unter diesen Bedingungen absolut richtig. Aus ganzheitlicher Sicht hat der Volleyball weiterhin einen absolut gelungenen Marketing-Mix. Denn es gibt kaum eine Plattform in der Volleyball nicht sichtbar ist.
Ich jedenfalls investiere in einen Ligapass, auch wenn ich kaum ein Spiel der Damen sehen werde. Aber um den Sport zu unterstützen, ist mir das allemal wert.
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