Finnland hat bei der Europameisterschaft 2026 für die nächste große Überraschung im Turniers gesorgt. Die Skandinavier bezwangen Gastgeber und Weltmeister Italien in Turin mit 3:2 und stehen damit erstmals seit 2007 wieder im Halbfinale einer EM. Für die italienische Nationalmannschaft endet das Turnier dagegen bereits im Viertelfinale.
Finnland nutzt seine Chance gegen den Weltmeister
Vor 8.260 Zuschauern im PalaVela entwickelte sich ein umkämpftes Viertelfinale, in dem Italien zunächst die Kontrolle übernahm. Die Azzurri entschieden den ersten Satz mit 25:21 für sich, mussten anschließend jedoch den Ausgleich hinnehmen. Finnland behielt auch in den entscheidenden Phasen des zweiten Durchgangs die Nerven und setzte sich nach langem Kampf mit 28:26 durch.
Im dritten Satz gelang den Finnen dann ein deutlicher Schritt in Richtung Halbfinale. Mit druckvollen Aufschlägen und konsequentem Angriffsspiel setzten sie Italien früh unter Druck. Auch die Einwechslung von Alessandro Michieletto, der bisher immer noch nicht zu alter Form zurückfindet, konnte den Vorsprung nicht verringern, sodass der Satz mit 16:25 an die Gäste ging.
Italien zeigte allerdings die erwartete Reaktion. Im vierten Durchgang stabilisierte sich das Team von Ferdinando De Giorgi, erarbeitete sich eine Führung und erzwang mit einem 25:20 den entscheidenden Tiebreak.
Dort schien zunächst sogar die Wende möglich. Italien führte zwischenzeitlich mit 12:10, doch Finnland blieb ruhig und kämpfte sich zurück. Beim Stand von 13:13 bewahrten die Skandinavier die Nerven und machten mit zwei weiteren Punkten die Sensation perfekt: 15:13 im fünften Satz und damit 3:2 im Spiel.
Jokela führt Finnland zum historischen Erfolg
Überragender Akteur auf finnischer Seite war Joonas Jokela. Der Diagonalangreifer, der nächste Saison für Dinamo București aufläuft, erzielte 28 Punkte und war damit der erfolgreichste Spieler der Partie.
Auch der Ex-Beriner Fedor Ivanov konnte auf ganzer Linie überzeugen. Der Lüneburger Santeri Välimaa kam hingegen nur zu Kurzeinsätzen, wie schon die ganze EM über. Severi Savonsalmi (früher VfB Friedrichshafen) konnte keinen Angriffspunkt erzielen, weshalb der Ex-Dürener Petteri Tyynismaa ab dem dritten Satz den Vorzug erhielt.

Für Finnland ist der Sieg nicht nur wegen des Einzugs ins Halbfinale von historischer Bedeutung. Die Nationalmannschaft hatte Italien seit 1978 nicht mehr bezwungen. Zudem war es der erste finnische Erfolg gegen die Azzurri bei einer Europameisterschaft. In den 14 vorherigen EM-Duellen hatte Italien stets die Oberhand behalten. Nun geht es für die Finnen in Mailand gegen Frankreich.
Italien hadert mit vergebenen Chancen
Die Enttäuschung bei den Gastgebern war nach dem Aus entsprechend groß. Trainer Ferdinando De Giorgi erkannte die Leistung des Gegners an, verwies aber auch auf die eigenen Möglichkeiten.
„Es war ein harter Abend; wir hatten einen sehr starken Gegner. Sie spielten auf hohem Niveau und hatten einen sehr effektiven Aufschlag. Wir sind natürlich mehr als enttäuscht. Wir haben hart für alles gearbeitet, was wir getan haben, und unser Ziel war es, nach Mailand zu kommen. Wir müssen aber auch Finnlands Niveau anerkennen. Wir hatten unsere Chancen, konnten sie aber nicht nutzen.“

Auch Zuspieler Simone Giannelli sah vor allem in den entscheidenden Momenten Verbesserungsbedarf. Gegenüber Rai erklärte er:
„Wir sind sehr enttäuscht über unsere Leistung im Spiel und im Training. Wir hatten einen guten Lauf. So ist der Sport, schön, aber auch real und grausam. Sie haben gut gespielt, aber wir waren in manchen Situationen nicht bereit, ihre Aufschläge zu kontern. Wir haben bei einigen grundlegenden Spielzügen technisch zu lange gebraucht, um zu reagieren, und dadurch haben wir den dritten Satz verloren. Im vierten Satz haben wir uns zurückgekämpft. Im Tiebreak lagen wir vorn, waren aber nicht konzentriert.“
Finnlands Kapitän und Topscorer Joonas Jokela blickte dagegen bereits nach vorne. Der Sieg gegen den Weltmeister im eigenen Land sei etwas Außergewöhnliches, doch das Team habe sein Ziel noch nicht erreicht. „Unsere Reise geht weiter“, betonte der Diagonalangreifer nach der Partie.
Frankreich wartet im Halbfinale
Finnland steht damit zum zweiten Mal in seiner EM-Geschichte im Halbfinale. Der bislang größte Erfolg bei einer Europameisterschaft gelang 2007, als die Finnen den vierten Platz belegten. Nun bietet sich der Mannschaft die Chance, erneut um die Medaillen zu kämpfen.
Im Halbfinale wartet am Freitag, dem 25. September, Frankreich. Die Partie findet um 21 Uhr in Mailand statt. Das andere Halbfinale wird zwischen Polen und Slowenien ausgetragen, ab 17 Uhr live auf sporteurope.tv (Anzeige).
Folge Volleyball Insider auf den sozialen Kanälen, um keine News zu verpassen:




