EM-Drama um Fedor Ivanov: „Danach war mir klar: Jetzt spiele ich“

santeri välimaa svg lüneburg volleyball

Finnlands Volleyballer sorgten bei der Europameisterschaft mit dem Sieg gegen Italien für eine Überraschung. Doch vor dem Halbfinale stand plötzlich Santeri Välimaa in in der Verantwortung, anstatt sein Konkurrent Fedor Ivanov. Im Interview spricht der Finne über diesen besonderen Moment, die Konkurrenz mit Ivanov, seine Wahl zum Mannschaftskapitän in Lüneburg und die Ziele für die kommende Saison. Außerdem gibt er Einblicke in sein Leben zwischen Finnland und Deutschland und erklärt, warum er sich in Lüneburg längst zu Hause fühlt.

Volleyball Insider: Santeri, seit der Europameisterschaft wollen viele Journalisten mit dir sprechen. Spürst du die neue Aufmerksamkeit?

Santeri Välimaa: Vor allem in Finnland. Seit der EM gibt es dort deutlich mehr Interesse und ein bisschen auch im Ausland.

Wie erklärst du dir den überraschenden Sieg gegen Italien?

Das war ein ziemlich klassisches David-gegen-Goliath-Spiel. Goliath war nicht in Bestform, David hat seine Chance gewittert und sie genutzt. Wir waren ein Underdog, der am Limit seiner Möglichkeiten gespielt hat, mit gutem Aufschlag und guter Annahme. Irgendwann wurde es für Italien unangenehm, man hat Frust gesehen. Sie waren nicht in ihrer Komfortzone. Wir haben mit dem Aufschlag viel Druck gemacht und kaum eigene Fehler produziert, so mussten sie die ganze Zeit spielen. Am Spiel selbst war eigentlich nichts Besonderes, nur am Ergebnis. Es war einfach ein überraschender Sieg.

Eure Reaktion fiel erstaunlich zurückhaltend aus. Gefühlt habt ihr euch nur fünf Sekunden gefreut, anschließend hieß es sofort: Fokus aufs nächste Spiel. War das die Mentalität der Mannschaft oder des Trainers?

Beides. Zuerst kam es vom Trainer. Er hat gesagt, unser Ziel in diesem Turnier ist, mit nichts zufrieden zu sein. Das haben wir Spieler übernommen. Wir wussten auch selbst: Wenn wir etwas Großes erreichen wollen, müssen wir ein großes Team schlagen. Und wenn man das geschafft hat, darf man nicht denken „Jetzt haben wir’s“. Wir wollten wirklich etwas um den Hals haben. Trotzdem war es ein komisches Gefühl, danach einfach weiterzuspielen. Wir hatten das mächtige Italien zu Hause geschlagen, und plötzlich ging es nach Mailand ins Final Four. Da hat sich alles verändert.

Also keine Party nach dem Spiel?

Nein, keine Party.

Im Halbfinale gegen Frankreich musstest du dann plötzlich selbst ran. Was ist passiert?

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